Schleiereule, Steinkauz und Co

Steinkauz in alter Baumhöhle
Steinkauz - Foto NABU/Clemens Karkow

Der Steinkauz (Athene noctua) ist eine kleine Eulenart, die grünlandreiche Landschaften mit kurzer Vegetation als Jagdhabitat und alte Höhlenbäume als Nistplatz benötigt. Überwiegend Wiesen und Weiden mit alten Obst- und Walnussbäumen im Umfeld von Gehöften und am Rand von kleineren Ortschaften  bieten diese Voraussetzungen.

Streuobstwiese - Foto G. Kaufhold
Streuobstwiese - Foto G. Kaufhold

Im Wurm- und Rurtal sind es stellenweise noch alte Kopfbäume wo der Steinkauz natürliche Bruthabitate findet. Ein ausreichendes Nahrungsangebot - Käfer, Kleinsäuger und auch Regenwürmer - meist in der typischen Bodenjagd erbeutet, ist eine weitere Voraussetzung für das Vorkommen des Steinkauzes.

Veränderte Bewirtschaftungsformen in der Landwirtschaft, die Aufgabe der traditionellen Kopfbaum- und Streuobstnutzung, die rücksichtslose Inanspruchnahme von Streuobstflächen in Ortsrandlage durch die Kommunen für Baugebiete sowie der Bau von Umgehungsstraßen haben die Bestände des Steinkauzes dezimiert.

Der Steinkauz steht heute auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten und gilt als stark gefährdet. Kartierungen von Steinkauzrevieren in den Jahren 2002/2004 und 2013 haben für diesen Zeitraum in Hückelhoven einen Rückgang von 31,8%, in Erkelenz und Wegberg von jeweils 57,1 % festgestellt. Der höchste Rückgang war in Wassenberg mit 71,4 %, der geringste mit 7,4 % in Gangelt. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Negativtrend nicht fortgesetzt hat.

 

Schleiereule - Foto NABU/Rosl Roessner
Schleiereule - Foto NABU/Rosl Roessner

Die Schleiereule (Athene noctua) benötigt wie der Steinkauz offenes, grünlandreiches Gelände wo sie ihre bevorzugten Beutetiere Feld- und Spitzmaus greifen kann. Als Kulturfolger nistet sie in einzeln gelegenen, exponierten Gebäuden wie Scheunen, alten Dachstühlen und Kirchtürmen. Die Schleiereule galt bereits in den 70er Jahren als stark gefährdet. Durch gezielte Schutzmaßnahmen konnte diese Entwicklung gestoppt werden. Aber auch für diese Art gilt heute dasselbe wie für den Steinkauz: veränderte Bewirtschaftungsweisen in der Landwirtschaft, Bebauung, Zersiedelung und die Sanierung alter Gebäude in Verbindung mit dem Verschließen von Einflugmöglichkeiten zerstören die Lebensräume dieser Eulenarten.

Nicht zu vernachlässigen sind auch die Verluste von Eulen und anderen Tierarten durch Tod nach der Aufnahme von mit Ködern vergifteten Mäusen. Diese werden in feldmausreichen Jahren im Rahmen der landwirtschaftlichen Nutzung häufig flächendeckend ausgebracht.

Schutzmaßnahmen

Bestandsaufnahme von aktuellen Vorkommen (Stand 12/2020)

Erkundungstour - Foto G. Kaufhold
Erkundungstour - Foto G. Kaufhold

2013 erfolgte die letzte kreisweite Kartierung von Schleiereule und Steinkauz durch die Naturschutzstation Wildenrath. Bis 2014 wurden im Raum Wegberg zahlreiche Nisthilfen für diese Arten vom NABU Wegberg installiert. Aus verschiedenen Gründen kam das Projekt zum Erliegen, ein neuer Anlauf wurde im Oktober 2020 beschlossen.

 

Bei einer ersten Bestandsaufnahme musste festgestellt werden, dass zahlreiche Bäume mit Steinkauzröhren in den vergangenen sechs Jahren gefällt wurden und somit als Bruthabitat nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch die Zugänge zu den Schleiereulenkästen sind häufig nicht mehr möglich. Es bleibt abzuwarten, wie die Situation an den noch nicht kontrollierten Standorten aussieht.

Immerhin konnten zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember 2020 zwei Schleiereulenkästen in Scheunen und zur Abwechslung ein Turmfalkenkasten an einer hohen Gebäude-Außenwand von Jahre altem "Mist" gereinigt werden. Frisch eingestreute Buchenholzspäne warten nun auf die nächstjährige Brut.

Anbringen von Nistkästen

Schleiereulenkästen im Lager
Schleiereulenkästen im Lager

Eulenvögel haben ebenso wie viele andere Vogelarten zunehmend Schwierigkeiten, passende Nistmöglichkeiten zu finden. Diese Entwicklung findet bereits seit Jahrzehnten statt, ohne dass an den Ursachen von institutioneller Seite etwas geändert worden wäre (siehe oben). Ebenso seit Jahren sind die Bemühungen von ehrenamtlichen Naturschützern und Naturschützerinnen sichtbar, wenigstens die Defizite bei den Bruthabitaten, soweit überhaupt möglich, in Form von künstlichen Nistmöglichkeiten abzumildern.

Für Schleiereulen sind das große "Holzkisten" (100x70x70cm) mit Einflugloch und innerer, halbseitiger Trennwand, die in Scheunen, weiträumigen Dachböden, nicht mehr genutzten Trafotürmen oder Kirchtürmen in luftiger Höhe angebracht werden. Bei Hephata in Mönchengladbach wurden in diesem Jahr mehrere Nistkästen für den NABU Wegberg hergestellt.

Steinkauzröhre vor dem Anbringen
Steinkauzröhre vor dem Anbringen

Der Steinkauz als typischer Nutzer von Baumhöhlen im offenen und halboffenen Gelände bekommt eigens für ihn angefertigte lange "Röhren" aus Holz, die zum Schutz gegen Regen und Nässe ummandelt und schließlich waagerecht in ca. 3-4 Metern Höhe in Astgabeln oder auf dicken Ästen befestigt werden. 

Zum Schutz gegen Marder, Eichhörnchen, Katzen etc. wird der Eingang mit einer passgenauen Holzplatte (mit Einflugfloch) weitgehend geschlossen.

Quartiere für Schleiereule und Steinkauz gesucht

Der NABU Wegberg sucht wie vor beschrieben, geeignete Scheunen, Dachböden, Obst- und Nussbäume etc. für die Anbringung von Schleiereulenkästen und Steinkauzröhren.

Möchten Sie uns dabei unterstützen und können uns entsprechende Quartiere anbieten?

Können Sie uns Hinweise auf das Vorkommen von Schleiereulen und Steinkauz geben?

Dann wenden Sie sich bitte an

NABU Wegberg, E-Mail: info@nabu-wegberg@web.de oder an

Naturschutzstation Wildenrath, E-Mail: info@naturschutzstation-wildenrath.de.