Amphibienschutz

Grasfrosch
Grasfrosch - Foto G. Kaufhold

Amphibien-Schutzmaßnahmen gehören schon immer zu den traditionellen Tätigkeiten des NABU. Von den in Deutschland heimischen 21 Amphibienarten bekommen wir im nördlichen Landkreis Heinsberg meist Erdkröten, Frösche (v.a. Gras- und Teichfrosch) und Molche (v.a. Bergmolch) zu sehen.

 

Letzte Reste von Erlenbruchwäldern entlang der Schwalm und ihren Nebenbächen im Raum Wegberg bieten noch gut strukturierte Lebensräume für Amphibien und andere auf Gewässer angewiesene Tierarten. Problematisch werden die Wanderungen von Amphibien zwischen ihren Land- und Gewässer-Lebensräumen, wenn Straßen überquert werden müssen.

Erfahrungsgemäß reichen bereits schmale Nebenstraßen mit wenig Verkehr um für die Tiere zur Todesfalle zu werden. Und das in doppelter Hinsicht: häufig lassen sich die kleineren Männchen von den Weibchen "Huckepack" zum Laichgewässer tragen. Werden sie überfahren, berührt uns das besonders.

 

Die Hinwanderung der adulten Tiere zu den Laichgewässern erstreckt sich häufig über 6 bis 8 Wochen in Abhängigkeit vom Wetter. Bei feuchtem bis nassem Wetter mit Temperaturen ab 5 Grad kann eine Wanderung mit wenigen Tieren pro Nacht, aber auch schwungvoll mit 100 und mehr Tieren, bereits ab Februar an den ersten wärmeren Abenden starten. Die Klimaveränderung macht eine Vorhersage des Beginns und Verlaufs der Wanderungen zunehmend schwierig.

 

Bei der Rückwanderung der Amphibien nach der Laichzeit in ihre Landlebensräume müssen wir zwischen der Rückwanderung der erwachsenen Tiere und der Jungtiere unterscheiden. Während Erstere u.U. noch durch Schutzzäune und Aufsammeln von freiwilligen Helfern vor dem Überqueren der gefährlichen Straßen gehindert werden können, müssen die Jungtiere nach ihrer wochenlangen Entwicklung in den Gewässern ohne Schutzmaßnahmen den Weg in die Landlebensräume antreten.

Amphibien-Schutzzäune

Wegberg Industriestraße - Maxi-Gewerbepark

2021

In diesem Jahr konnten wir einmal bei gutem Wetter und Sonnenschein den Hauptzaun auf der Waldseite gegenüber dem Maxi-Gewerbepark zu viert in gut vier Stunden aufbauen. Die Eimer wurden enger als im Vorjahr gesetzt, 10 bis 12 Meter sind ein guter Wert. Außerdem wurde der Zaun in beide Richtungen verlängert, da im Vorjahr vereinzelt immer wieder Amphibien auf der Straße gefunden wurden.

Insgesamt beteiligen sich fünfzehn aktive NABUs an der Sammelaktion. Wir hoffen, dass es sich lohnt.

 

Die informative 55-seitige Broschüre des NABU Bundesverbandes "Frösche, Kröten und Molche" kann hier bestellt werden.

 

2020

 

Ende Februar 2020 wurde erstmals wieder ein Amphibien-Schutzzaun beidseitig der Industriestraße in Wegberg aufgebaut. Der große Teich (Foto oben) in der privaten Parkanlage des Maxi-Gewerbeparks (ehemals Bartmann Villa mit Park) nordöstlich der Straße zieht vor allem Erdkröten und Frösche zum Ablaichen an.

Leider wurden bei der Neugestaltung des Parkgeländes  in den letzten Jahren viele wertvolle Altbäume entnommen und eine grundlegende Bodennivellierung mit Entfernung der naturnahen Bodenvegetation zugunsten eines englischen Rasens durchgeführt. Rückzugsräume, Versteckmöglichkeiten sowie das Nahrungsangebot für Amphibien wurden damit deutlich verschlechtert.

 

Es ist anzunehmen, dass ein Großteil der Amphibien-Population, die im Teich des Parks ablaicht, in dem südwestlich der Straße liegenden Laubwäldchen, zwischen Industriestraße und dem Discounter Aldi, ihren Landlebensraum hat. Der Eichenmisch- und Schwarzerlenwald  ist noch ein Naturstandort des ursprünglich ausgedehnteren Beecker Waldes.

Kleingewässer (ehemalige Flachsrösten, Foto unten) und ein hoher Strukturreichtum mit Totholz im Wäldchen sind ideal für bestimmte Amphibien- und Fledermausarten sowie für höhlen-, hecken- und gebüschbrütende Vogelarten. Entsprechend ist das Restwaldstück im Biotopkataster (BK-4803-055) des LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz) aufgeführt.

Das gleiche galt übrigens auch für die Parkanlage vor der Umgestaltung. Als schützenswertes Biotop BK-4803-056 wurde sie zusammen mit dem nördlichen Restwaldkomplex kartiert.

 

Die Amphibienzaun-Betreuung in 2020 begann bereits mit dem Aufbau des waldseitigen Zauns am 01. Februar. Anfang März wurde schließlich der parkseitige Zaun aufgebaut. Im Verlauf der zweieinhalb Monate dauernden Wanderung zeigte sich, dass wie vermutet, die Hauptwanderrichtung der Amphibien vom Laubwald zur Parkanlage erfolgte. In diese Richtung wurden 656 Tiere ( 2/3 Erdkröten, 1/3 Braunfrösche) getragen und nahe am Ufer des Teichs freigelassen.  Auf der Parkseite wurden Richtung Wald 386 Tiere aufgenommen, darunter 7 Bergmolche.

Bei den Kontrollgängen morgens und abends gab es zahlreiche Nulltage bzw. Einzelfunde, an anderen Tagen waren die eingegrabenen Eimer halbvoll mit Tieren, die nur eins wollten: hinaus in die Freiheit und ab ins Wasser. Die langwierige Arbeit hat sich gelohnt - es wurden zahlreiche Nachkommen produziert, die sich an sonnigen Tagen im Mai im Flachwasserbereich tummelten und nach Nahrung suchten.