Wir mischen uns ein

Leserbrief an die Aachener Zeitung vom 16.9.2021

 

Quelle: t-online:

 

> Bei der Wahlkampf-Veranstaltung am vergangenen Donnerstag in Baden-Württemberg hatte Merz gesagt, die Organisationen NABU und Greenpeace hätten etwas "gegen demokratische Prozesse in den Parlamenten und soziale Marktwirtschaft". 

 

 

Dazu der Leserbrief unseres NABU- Mitgliedes Jürgen Haida, Erkelenz:

 

Merz (CDU-Team Laschet) beleidigt und verunglimpft Millionen Mitglieder der Naturschutzverbände. Als Mitglied des NABU bin ich zutiefst empört über die Wahlkampf-Äußerungen von Friedrich Merz. Er zeigt damit sein wahres Gesicht und begibt sich populistisch auf das Verschwörungs- und Hetz-Niveau bekannter Gruppierungen. Das Mitglied des " Zukunfts-Teams" ! von Kandidat Laschet scheut sich nicht, den Boden unserer demokratischen Anstandsregeln zu verlassen. Ohne irgendeinen Beweis zu liefern, hetzt er bei einer Veranstaltung am Donnerstag gegen Heimat-u. Naturschützer: die seiner Meinung nach gegen Parlament, demokratische Prozesse sowie die soziale Marktwirtschaft arbeiten. Er stellt damit Millionen Jugendliche und Erwachsene, die sich vor Ort täglich für den Erhalt unserer Heimat, Natur und Umwelt aufopfern, an den populistischen Medien-Pranger. Frei nach dem Motto: Etwas bleibt ja immer hängen! Wenn das die Politik ist, die der Kandidat Laschet mit seinem Zukunfts-Team umsetzen will, können die um unsere lebenswerte Heimat besorgten BürgerInnen und Bürger dieses Landes sich ja ab Oktober noch auf einiges mehr gefasst machen. Dieses Niveau ist weder entschuldbar noch hinnehmbar. Das Team Laschet ruft damit eine neue Christlich-Demokratische-Unordnung aus!

 


Bebauungspläne der Stadt Wegberg

Stellungnahmen NABU Wegberg August 2021

Bebauungsplan VII - 06, Uevekoven - Barbarastraße

Die Stadt Wegberg plant zwischen Barbarastraße und Erkelenzerstraße im Südosten von Uevekoven eine ca. 15.000 Quadratmeter (1,5 ha) große Fläche zu bebauen.

Kritisch sehen wir die Inanspruchnahme von strukturreichen, ökologisch wertigen Flächen wie wir sie hier in dem Übergangsbereich zwischen dörflicher Siedlung und freier Landschaft vorfinden. Ursprünglich gärtnerisch für Obst- und Gemüseanbau sowie landwirtschaftlich vorrangig als Mähwiese genutzte Flächen gehen verloren,  die schwindende Biodiversität weiter forciert. Hinzu kommen aufgrund der Ortsrandlage Konflikte mit angrenzenden Lebensräumen (Kiebitzbrutgebiet!).

Anstatt dem Grundsatz der Raumordnung zum Flächenschutz nachzukommen, vor der Versiegelung von Freiflächen die Innenentwicklung zu fördern, wird mit dem vorliegenden Bebauungsplan der Flächenversiegelung weiter Vorschub geleistet.

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Stellungnahme NABU Wegberg zum Bebauungsplan VII - 06, Uevekoven - Barbarastraße
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Bebauungsplan I - 50, Wegberg, Venloer Straße

Wir halten die Planung für nicht vereinbar mit den Zielen des Klimaschutzes, der nachhaltigen Siedlungsentwicklung, des Arten- und Landschaftsschutzes und den dringend notwendigen Maßnahmen zur Anpassung an die Klimakrise. 

Es handelt sich bei der beplanten Fläche um die einzige große Grünland-Fläche im Innenring, die nicht intensiv genutzt wird. Wasser kann hier noch großflächig versickern. Eine großflächige Versiegelung dieser Fläche, wie sie der Entwurf des BP derzeit zulassen würde (GRZ bis 0,6), hätte stärkere Hochwasserspitzen in der Schwalm und Engpässe in der Kanalisation zur Folge. Deutlich stärkere Regenfälle sind bereits heute und erst recht in Zukunft zu erwarten, wie sich im Juli 2021 auf furchtbare Weise u.a. in der Eifel und entlang von Rur, Wurm und Inde gezeigt hat.

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Stellungnahme NABU Wegberg zum Bebauungsplan I - 50, Wegberg - Venloer Straße
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Stellungnahme NABU Wegberg April 2021

Bebauungsplan III - 04C, Arsbeck - Auf dem Kamp (3. Teil BP)

Bei diesem Teilbebau-ungsplan handelt es sich  wie so häufig um eine dörflich geprägte Ortsrandlage, in diesem Fall in Arsbeck, einer Ortschaft der Stadt Wegberg. Über 40.000 Quadratmeter Wald-, Acker- und Wiesenflächen mit altem Streuobst-wiesenbestand, Einzelbäumen, Sträuchern und einer für Höhlenbrüter wichtigen Baumhecke wird hier überbaut.

In der Nachbarschaft bereits errichtete Häuser aus den vorangegangenen Bauabschnitten machen deutlich wie es hier bald aussehen wird: Schottervorgärten, Metallgitterzäune mit Plastikgeflecht, große versiegelte Flächen in den "Gärten", Dekorationsobjekte made in China und ein paar Ziergehölze. Wenige gelungene Ausnahmen sind erfreulicherweise auch zu finden.

Aber noch besser ist die Absicht der Stadt Wegberg, das geplante große Baugebiet (4,05 ha) mit einer öffentlichen Grünfläche von 541 (!) Quadratmetern auszustatten.

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Stellungnahme NABU Wegberg Bebauungsplan III - 4C, Arsbeck - Auf dem Kamp (3. Teil-BP) - Öffentliche Auslegung
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Windenergieanlagen Birgeler Wald - Wir sind dagegen!

Offener Brief des NABU Kreisverbandes Heinsberg zum geplanten Bau von vier Windenergieanlagen im Birgeler Wald an die BMR Windenergie Wassenberg GmbH & Co.KG, NEW Niederrhein Energie und Wasser GmbH und die Stadt Wassenberg

 

Im Laufe des Sommers könnten bereits die Bauarbeiten für vier Windenergieanlagen (WEA) mit einer Höhe von je 240 Metern und einem Rotordurchmesser von 158 Metern inmitten des beliebten und großen Waldgebietes zwischen Wassenberg, Wegberg und den Niederlanden, im Birgeler Wald beginnen. Das Genehmigungsverfahren für dieses große Industrieprojekt steht kurz vor dem Abschluss.

 

Warum der Rat der Stadt Wassenberg Ende 2017 zu der Entscheidung gekommen ist, einen Bereich des einzigen großen und unzerschnittenen Waldgebiets im mit 11% Waldfläche waldärmsten Kreis Heinsberg in NRW mit der 51. Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) als eine Windkraft-Konzentrationszone auszuweisen, wirft Fragen auf. Zumal es alternative Standorte mit weniger einschneidenden Auswirkungen auf Natur, Landschaft und Erholungswert gegeben hätte.

 

Die Kritik richtet sich u.a. darauf, das Untersuchungs- und Entscheidungsszenario für den potenziellen Standort derart angelegt zu haben, dass nur der Birgeler Wald als Standort in Frage kam und die in vielerlei Hinsicht hohe Wertigkeit des Waldes nicht angemessen gewürdigt zu haben.

Keine Berücksichtigung fand die Lage im Landschaftsschutzgebiet „Ophovener Wald“, dessen Schutzzielen eine Windkraft-Konzentrationszone entgegen steht. Außerdem ist ein Windpark nur in atypisch gelagerten Einzelfällen dort zulässig.

 

Hinzu kommt, dass sämtliche Untersuchungs-Parameter auf Anlagen mit 150 Meter Höhe abgestimmt waren. Ein 200-Meter-Szenario wurde verworfen. Die Begründung der Stadt Wassenberg zur 51.Änderung des Flächennutzungsplans (Teil A - Städtebauliche Aspekte, Sept. 2017) legt dar, dass „dem Plankonzept eine Anlagengesamthöhe der Windenergieanlagen von 150 m … zugrunde“ liegt. Heute aber liegen Bauanträge für 240 Meter, also für 60% höhere Anlagen vor!

Auffallend ist dabei, dass zwischen der Ausweisung der Windkraft-Konzentrationszone Ende 2017 und dem laufendem Bauantrag Ende 2018 lediglich ein Jahr liegt. Es ist nicht anzunehmen, dass die Stadt Wassenberg keine Kenntnis von der Entwicklung und Planung 240 Meter hoher Anlagen in Jahresfrist hatte.

 

Der Kreis Heinsberg, die Stadt Wegberg, die Gemeinde Roerdalen, der NABU Kreisverband Heinsberg sowie namhafte Institutionen haben sich 2017 im Rahmen der Wassenberger Flächennutzungsplan-Änderung gegen eine Windkraft-Konzentrationszone im Birgeler Wald ausgesprochen. Die Bürgerinitiative „Birgeler Urwald“ hatte bei einer Öffentlichkeitskampagne sogar nahezu 1700 Unterschriften gegen die Konzentrationszone gesammelt.

 

Im laufenden immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren hat sich der NABU erneut vehement gegen die Anlagen ausgesprochen. Doch nicht nur der NABU, an die 700 Einwendungen gegen die geplanten Windenergieanlagen sind bei der Genehmigungsbehörde des Kreises Heinsberg eingegangen.

Doch auch in diesem Verfahren wird die Windkraft-Konzentrationszone im Birgeler Wald durch das vom Antragsteller beauftragte Planungsbüro unterbewertet und u.a. als dominiert von „artenarmen Fichtenforsten“ eingestuft. Diese Einstufung widerspricht den realen Gegebenheiten.

 

Der mit öffentlichen Geldern finanzierte Premium-Wanderweg, der an drei der vier geplanten Anlagen direkt vorbeiführt und damit objektiv entwertet wird, soll nach Auffassung des Antragstellers und seines beauftragten Büros durch die Industrieanlagen sogar an Attraktivität gewinnen.

 

Auch die Bewertung des Landschaftsbildes, ein wichtiger Parameter für die Höhe des vom Antragsteller zu zahlenden Ersatzgeldes, erfolgte zunächst einmal zu niedrig. Erst eine eingeforderte Korrektur auf den teilweise anzusetzenden Faktor „sehr hoch“ konnte diesen Fehler ausräumen.

 

Tatsache ist, dass fast 48.000 Quadratmeter Fläche im Birgeler Wald gerodet werden muss, große Teile des Waldes durch vier Kilometer lange Zufahrtsstraßen für Schwerlastverkehr bis zu 145 Tonnen und den Bau von Stromtrassen zerschnitten und hunderte von LKW-Fahrten durch das Landschaftsschutzgebiet und großräumige Biotopverbundsystem notwendig werden.

 

Auch artenschutzrechtlich ist eine Genehmigung der WEA nicht zu vertreten. Betriebsbedingt ziehen Windenergieanlagen tödliche Kollisionen und Verletzungen von Vögeln und Fledermäusen nach sich. Zeitlich beschränkte Abschaltsysteme für Fledermäuse können Kollisionen lediglich reduzieren. Biotopbäume mit Fortpflanzungs- und Überwinterungsfunktionen müssen gefällt werden, auch Mäusebussarde brüten im Planungsgebiet. Diese Art zählt zu den häufigsten Schlagopfern an Windenergieanlagen und ist damit einem signifikant hohen Tötungsrisiko ausgesetzt.

 

Nicht unberücksichtigt bleiben darf im laufenden Genehmigungsprozess die zentrale Lage des Planungsgebiets im Biotopverbundsystem „Dalheimer Busch und Birgeler Wald“, welches vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) als „von herausragender Bedeutung“ eingestuft wird (Schutzziel: „Erhalt u. Entwicklung des großflächigen Waldes …“).

 

Der geplante Windpark könnte sich darüber hinaus bald, im Falle einer Genehmigung, inmitten einer Natura 2000 Gebietskulisse (besondere, europaweit geschützte Lebensräume gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Vogelschutzgebiete) befinden: Dem Helpensteiner Bachtal, dem Schaagbachtal (Entfernung 300 m von zwei geplanten WEA) und auf der niederländischen Seite dem Nationalpark De Meinweg.

 

Es gibt eine traditionsreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen dem niederländischen Naturpark „Grenspark Maas-Schwalm-Nette“ und dem deutschen Naturpark Schwalm-Nette. Als gemeinsames Ziel wird u.a. die Erhaltung der natürlichen Landschaft, ihrer Schönheit und Eigenarten genannt. In ein Projekt zur Förderung von Naherholung und Tourismus im grenzüberschreitenden Meinweggebiet (2009 bis 2012) wurden von den Projektpartnern Stadt Wassenberg, Stadt Wegberg, Gemeinde Roerdalen und Gemeinde Roermond mehr als 900.000 Euro investiert!. Der geplante Bau der Industrieanlagen wäre mehr als ein Vertrauensbruch für die niederländischen Partner und eine Verschwendung von Steuergeldern zugunsten einseitiger wirtschaftlicher Interessen.

 

In Anbetracht der Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald muss eine Genehmigung und Realisierung der geplanten Windenergieanlagen als unverantwortlicher Irrweg bezeichnet werden. Wälder sind nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen und von hoher Bedeutung als Erholungslandschaft für den Menschen sondern auch elementar wichtige Träger ökosystemarer Leistungen für unser Klima.

 

Zur Erreichung der Klimaschutzziele kann nur eine naturverträgliche Energiewende mit erneuerbaren Energien führen. Diese Voraussetzung ist beim Standort Birgeler Wald nicht gegeben.

 

Wir fordern den Antragsteller daher auf, den Antrag auf Errichtung und Betrieb von vier Windenergieanlagen im Birgeler Wald zurück zu ziehen sowie die Stadt Wassenberg, die 51. Änderung des Flächennutzungsplans Wassenberg rückgängig zu machen.

 

Naturschutzbund Deutschland (NABU) Kreisverband Heinsberg

gez. Natascha Lenkeit-Langen

1. Vorsitzende


Ein Ausbau der Windenergie wird vom NABU ausdrücklich befürwortet, vorausgesetzt dieser erfogt auf naturverträgliche Weise und die Standorte sind geeignet.

Diese Voraussetzungen sind bei dem geplanten Vorhaben im Birgeler Wald nicht gegeben.

Der NABU Wegberg hat zum Antrag der BMR Windenergie Wassenberg GmbH Co.KG vom 21.12.2018 eine Stellungnahme im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung  am 17.03.2020 zu dem Vorhaben abgegeben.

Eine weitere Stellungnahme hatte der NABU Kreisverband Heinsberg in Vertretung für den NABU Landesverband NRW im Rahmen der Beteiligung der "Träger öffentlicher Belange" bereits am 12.02.2020 beim Kreis Heinsberg eingereicht.

Hier kann die Stellungnahme des NABU Wegberg eingesehen werden:

Download
Stellungnahme des NABU Wegberg v. 17.03.20 im Rahmen des IMS-Antrags zu Errichtung und Betrieb von vier Windenergieanlagen in der Windkonzentrationszone in Wassenberg
WEA Birgeler Wald.pdf
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Leserbrief an die Rheinische Post 12.11.20

Lichtverschmutzung

Gestern Golfplatz Rothenbach, heute Förderturm Hückelhoven, und morgen?

Während des Kommunalwahl-Kampfes versprachen alle Parteien von CDU bis Linke, sich für den Klima- und Umweltschutz einzusetzen. Wie immer alles nur Lippenbekenntnisse. Der Begriff "Lichtverschmutzung" scheint noch nicht im Landkreis Heinsberg angekommen zu sein.

Auch warmweiße LED-Lampen greifen tief in den Tag-Nacht-Rhythmus von Tieren, ja sogar Pflanzen, ein. Die umweltverträglichste Beleuchtung ist immer noch gar keine Beleuchtung, denn - man glaubt es kaum - auch LED-Lampen verbrauchen Strom! Ich gönne den Hückelhovenern ihre Landmarke, aber muss sie von oben bis unten bestrahlt werden? Und muss hier jede Stadt mit viel TamTam ihr Prestigeobjekt einweihen? Abgesehen davon, dass Herr Landrat Pusch eine Anlage eingeweiht hat, die noch nicht einmal abschließend genehmigt war. Was würde passieren, wenn ich als Privatmensch bei meinem Privatbau so vorgehen würde?

Ich hoffe, die Hückelhovener Bestrahlung hat wenigstens alle ihre Genehmigungen. Oder etwa nicht?

 

Gisela Stotzka


Leserbrief an die Rheinische Post 02.11.20

Greenwashing auf dem Green - Wo bleibt der Schutz der Natur?

Die neue Flutlichtanlage auf dem Golfplatz in Rothenbach (Bericht in der RP vom 26.10.), vor gut einer Woche frisch eingeweiht durch bekannte Persönlichkeiten wie Herrn Landrat Pusch, ist ein neuerlicher Anachronismus in Zeiten von massivem Artensterben und Klimawandel. 88 Lichtmasten mit über 600 „insektenfreundlich“ titulierten LED Strahlern und eine neue Bodenbeleuchtung sollen rund ums Jahr von 6 bis 22 Uhr das Herz von Golf-Liebhabern höher schlagen lassen. Ein Insektenhotel, ein Obstgarten und eine Wildblumenwiese, abgerundet durch ein paar Bienenstöcke für die Honigproduktion sollen die Natur bereichern, denn „Die Natur gehört zum Golf spielen dazu“, so der Clubpräsident des GC Residenz Rothenbach. Ach ja, eine Beregnungsanlage ist auch noch geplant.

 

Da gibt es nichts auszusetzen, oder doch? Irgendwie scheint es gelungen zu sein, sämtliche negativen Auswirkungen durch die Lichtanlagen vor allem auf Insekten, Fledermäuse, Vögel, Amphibien, auf Pflanzen und weitere Schutzgüter übersehen oder kleingerechnet zu haben. Außenbeleuchtungen unterliegen nämlich den verschiedensten rechtlichen Anforderungen, dem Immissionsschutz-, dem Baurecht, dem Naturschutzrecht u.a., da sie mannigfaltige Störwirkungen hervorrufen können. Eine entsprechend durchgeführte Risikobewertung seitens der Behörden ist im vorliegenden Fall hoffentlich erfolgt, dennoch muss man sich fragen, ob eine Entscheidung zugunsten einer Freizeitaktivität auf Kosten der Natur berechtigt ist. Wohlgemerkt, der Golfplatz liegt in einem Gebiet mit mehrfachem Schutzgebiets-Status nach dem Bundesnaturschutzgesetz, nämlich Naturpark, Landschaftsschutzgebiet und Biotopverbund.

 

Wo genau aber liegen die Probleme? Gemessen an den massenhaften Verlusten insbesondere der nachtaktiven, flugfähigen Insekten, verursacht durch die Lockwirkung der Lampen, auch „Staubsaugereffekt“ genannt, sind ein Insektenhotel und eine Wildblumenwiese weniger als der vielzitierte Tropfen auf dem heißen Stein und sogar kontraproduktiv. Neben den zahlreichen direkten Insektenverlusten durch Verbrennung, Aufprall, Erschöpfungstod oder Konzentration von Fressfeinden (z.B. Fledermäuse) an den Lichtquellen sind auch indirekte Auswirkungen durch den künstlich veränderten Tag-/Nacht-Rhythmus weitreichend und gravierend. Die innere Uhr nacht- und dämmerungsaktiver Organismen, die fundamentale Prozesse wie Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung, Lebenszyklen etc. steuert, läuft durch künstliches Licht aus dem Ruder. Das gilt übrigens nicht nur für Insekten sondern auch für Amphibien, Fledermäuse, Vögel und sogar Pflanzen. Der Mensch ist ebenfalls betroffen, Studien weisen auf Zusammenhänge von bestimmten Krankheiten und erhöhter Exposition künstlichen Lichts während Nachtzeiten hin.

 

Auch energieeinsparende LED-Technik hat Nachteile, da sie dazu verleitet in zusätzliche Beleuchtung zu investieren wie wir es in Rothenbach sehen. Gerade die Beleuchtung der schmalen Spielflächen zwischen Reihen und Gruppen von Bäumen und Sträuchern, womöglich noch mit zusätzlicher Abstrahlung in die Horizontale oder in den Himmel, bedeutet eine erhebliche Lichtverschmutzung und Fragmentierung von Lebensräumen. LED-Lampen mit der Lichtfarbe „warmweiß“ haben im Vergleich zu „neutral- und kaltweiß“ geringere Auswirkungen auf ihre Umgebung, doch auch dieses kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass tiefgreifende Eingriffe in die Natur stattfinden. Und das können wir uns heute nicht mehr leisten.

 

Gabriele Kaufhold
Kommissarische Vorsitzende
NABU Wegberg