Kooperation Flachsmuseum - Färbergarten

Nach dem Tod des Museumsgründers Herr Gerichhausen und der Neuanlage des Flachsfeldes innerhalb des Museumsgarten, lag der rückwärtige Teil des Gartens lange brach. Der Wunsch des Museumsvor- standes war, in Zusammenarbeit mit dem NABU Wegberg, den Garten neu zu gestalten, sodass er einerseits ansprechend aussieht, andererseits mit wenig Pflegeaufwand zum Museum passt. Der NABU hat deshalb das Thema Färbepflanzen aufgegriffen und so ein neues Konzept erarbeitet. Da im vorderen linken Gartenbereich die jungen Obstbäume erhalten bleiben sollten, wurde die Fläche gegenüber dem Flachsfeld als Wildblumenwiese angelegt, sodass dieser Teil sich nun als Streuobstwiese darstellt.

 

Der rückwärtige Teil des Gartens dient jetzt als Färbepflanzen-Schaugarten. Soweit es Klima und Boden-verhältnisse zuließen, sind hier alle Pflanzen, mit denen früher das Leinen eingefärbt wurde, angepflanzt worden. Diese Pflanzen sind mit Bildtafeln gekennzeichnet. Um das Bild optisch abzurunden und das Thema Färben zu erweitern finden sich auch Färbepflanzen im Garten, mit denen Wolle oder Baumwolle gefärbt wurden. Diese Pflanzen sind mit einfachen Namensschildchen versehen.

Da die meisten dieser Färbepflanzen gerne auf kargem Boden wachsen, wurden alle Flächen vorher mit Sand abgemagert. Einige dieser Pflanzen sind einjährig, und werden vom Pflegeteam des NABU Wegberg, das sich um den Färbergarten kümmert, im Frühjahr neu ausgesät. Fast alle Pflanzen haben darüber hinaus den Vorteil, für Schmetterlinge und Wildbienen ein sehr gutes Pollen- und Nektarangebot zu haben, sodass zusätzlich ein Wildbienenhotel aufgestellt wurde.

 

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Färbepflanzen

Leinen ist von allen Textilgeweben der Stoff, dessen Färbung die größten Schwierigkeiten bereitet. Deshalb gibt es für Leinen nur wenige Färbepflanzen, und die Farbpigmente mussten früher in teils sehr aufwändigen Verfahren aus den Pflanzen gewonnen werden.

 

Im Färbergarten des Flachsmuseums Beeck stehen fast alle Pflanzen, mit denen man Leinen einfärben kann.

 

Historisch verbürgt ist der Anbau von Färberwaid (blaue Farbe) und Färberkrapp (rote Farbe) in der weiteren Umgebung von Beeck.

 

Damit war die vollständige Produktionskette - vom Anbau der Faser, der Tuchweberei bis zum fertigen Textilstück vom Schneider - gegeben.

 

Färberwaid

Die einjährige Blattrossette wurde zu Bällchen geformt und getrocknet. Diese getrockneten Bällchen ergaben mit Urin den blauen Farbstoff. Färberwaid war in den europäischen Breiten der Vorläufer für den später einfacher zu handhabenden Indigofarbstoff.

 

Färberkrapp

Aus der getrockneten und gemahlenen dreijährigen Krappwurzel wurde die berühmte rote Farbe gewonnen. Zusammen mit Alaun ließen sich im Farbbad damit Leinen- oder Baumwolltuch färben.

 

Färberwau

Die getrockneten Äste des Waus wurden zu Pulver zermahlen. Im Farbbad wurden Leinen, Wolle oder Seide gelb gefärbt.

 

Klatschmohn

Aus dem Brei der Klatschmohnblüten wurde der rosarote Farbstoff gewonnen. Die Farbe musste auf dem Stoff noch fixiert werden.

 

Färberkamille

Der gelbe Farbstoff ließ sich durch Wasserdampfdestillation aus den gelben Blütenköpfchen gewinnen.

 

Färberdistel

Auch bei der Färberdistel wurde der gelbe Farbstoff auch den Blütenblättern gewonnen.

 

Liguster

Die reifen Beeren des Strauches konnten erst nach dem ersten Frost geerntet werden, erst dann ließ sich aus dem gemahlenen Pulver die blaue Farbe herstellen.

 

Schlehe

Vom Schlehenstrauch wurde die Rinde abgeschält und in Wasser gekocht. Dies gab eine intensiv rote Farbe, die nicht nur zur Färbung von Textilien genommen wurde, sondern im Mittelalter auch als Schreibtinte Verwendung fand.

 

Heidelbeere

Aus den ausgepressten Früchten ließ sich eine graublaue Farbe gewinnen. Da diese Farbe sich so einfach herstellen ließ, optisch aber nicht besonders schön war, wurde damit eine ganze Weile die Kleidung für Sklaven oder niedere Bedienstete eingefärbt und war so das Erkennungszeichen für den untersten Sozialstatus.

 

Indigo

Der Indidostrauch ist in Asien beheimatet, war als Farblieferant zwar schon in der Antike bekannt, aber erst im 17. Jh. in Westeuropa eingesetzt. Der Pflanzenbrei aus dem ganzen Strauch wurde gefiltert und ergab zusammen mit Urin das Farbbad. Mit der Indigofarbe lassen sich Leinen und Baumwolle blau färben.