Braunkohletagebau

NABU Plakataktion


PRESSEMITTEILUNG NABU NRW, BUND, LNU | NR 73 | 06. Dezember 2022

Rheinisches Revier

Flächen für die Natur sichern und Biotopverbund umsetzen

Erster gemeinsamer Austausch von Naturschutzverbänden, Fachakteuren und Kommunen aus der Region

Düsseldorf – Im Rheinischen Revier, Europas größtem Braunkohleabbaugebiet, sind die Tage der monströsen Schaufelradbagger gezählt. Mit dem Kohleausstieg 2030 stehen Wirtschaft, die Menschen in der Region und die Natur vor gewaltigen Veränderungen. Bund und Land haben sich zum Ziel gesetzt, die anstehende Transformation mit vielen Milliarden Euro zu gestalten. Nun trafen sich auf Einladung der drei nordrhein-westfälischen Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und der Naturschutzbund (NABU) erstmals Kommunen, Fachakteure und Naturschutzgruppen aus den Regionen, um sich darüber zu verständigen, wie der Schutz von Lebensräumen und der Erhalt der Artenvielfalt bei den Planungsprozessen vor Ort sichergestellt werden kann.

 

Und das sei bitter nötig, denn bislang falle die Bilanz der über zweijährigen Planungen und Aktivitäten aus Sicht des Naturschutzes leider düster aus, so die Naturschutzverbände. Kommunen und das Land planten mit fata­lem Eifer neue Gewerbegebiete, Industrieanlagen, Wohnbebauung und entsprechende Infrastruktur. Ergebnis: Der Freiflächen-, wie der Naturschutz drohen völlig unter die Räder zu geraten. Dabei sei der Schutz von Lebensräumen und deren effektive Vernetzung durch Biotopverbundstrukturen kein „Nice-to-have“, sondern eine gesetzliche Pflichtaufgabe. Richtungsweisend seien hier die Vorgaben der EU-Biodiversitätsstrategie 2030, die vorsieht 30 Prozent der jeweiligen Landesfläche für den Biotopverbund zu sichern. Es ginge also nicht um das „ob“, sondern nur um das „wie“.

 

Um Flächen für die Natur zu sichern und den Biotopverbund im Rheinischen Revier für die Zukunft zu stärken, lassen BUND, LNU und NABU NRW im Rahmen des vom Wirtschaftsministerium geförderten Projektes „Grundlagenkonzept Biotopverbund Rheinisches Revier“ aktuell eine eigene detaillierte Fachplanung für einen funktionsfähigen Biotopverbund in der Region erstellen. Basis der Planung sind die Fachbeiträge des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) zum Naturschutz und zur Landschaftspflege. Für die Umsetzung von konkreten Biotopverbundplanungen vor Ort seien aber detailliertere Entwürfe notwendig. Zudem werde das gemeinsame Projekt von BUND, LNU und NABU auch Biotopverbundstrukturen in urbanen Räumen berücksichtigen, erklärten die Verbände.

 

Ziel von BUND, LNU und NABU sei es, gemeinsam mit den Kommunen, dem Fachwissen lokaler Naturschutzakteure über wichtige Lebensräume und gefährdete Arten in der Region und den auf Landesebene Handelnden einen Biotopverbund für das Rheinische Revier zu gestalten, der umfassend notwendige Verbindungskorridore und essentielle Lebensräume berücksichtigt und so die Artenvielfalt sichert.

 

Das Projekt „Grundlagenkonzept Biotopverbund Rheinisches Revier“ startete im September 2022 mit der Vergabe der Planungsleistung an das Planungsbüro Gesellschaft für Umweltplanung und wissenschaftliche Beratung GbR mit Sitz in Bonn. Neben der Biotopverbundplanung der Naturschutzverbände sind mehrere begleitende Workshops vorgesehen, die die frühzeitige Einbindung der Landesakteure wie auch der Kommunen und regionaler Natur- und Umweltgruppen sicherstellen und so eine zeitnahe und qualitativ hochwertige Umsetzung des Biotopverbunds ermöglichen soll. Das auf ein Jahr angelegte Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

 

Für Rückfragen:
Dr. Heide Naderer, Vorsitzende NABU NRW, T: 0211 15 92 51-41

Holger Sticht, Vorsitzender BUND NRW, T. 0152 / 34 28 95 94, holger.sticht@bund.net

Dirk Jansen, Geschäftsleiter BUND NRW, T. 0211 / 30 200 522, dirk.jansen@bund.net

Mark vom Hofe, Vorsitzender LNU, T 02204 / 810 878, vom_hofe@t-online.de 


Planung "Rheinisches Revier" ohne Natur- und Umweltschutz?

Erklärung der NABU-Verbände Mönchengladbach, Wegberg, Erkelenz Und Hückelhoven

 

Die NABU-Verbände aus der Region von Hückelhoven über Erkelenz, Wegberg bis Mönchengladbach haben beschlossen, in Zukunft noch enger zusammen zu arbeiten. „Viele Themen zum Schutz unserer Region sind nur »mit Blick über den lokalen Tellerrand hinaus« zu bewältigen.“ meinten dazu die Vorsitzenden Kaufhold und Sasserath. In einem Arbeitskreis wurden drastisch zunehmende Gefahren und Risiken analysiert:

 

„Wir beobachten wesentliche Verschlechterungen in der Entwicklung unserer Region:

  1. Steigende Bedrohung der gemeinsamen Naturschutz- und Feuchtgebiete,
  2. Zunahme der negativen Kurz- und Ewigkeitsfolgen durch die Tagebaue,
  3. das aktuelle Thema 20 Jahre Stillstand bei Hochwasser- und Starkregenschutz.“

so die beiden Vorsitzenden.

Die Teilnehmer aus gemeinsamen Arbeitsgruppen waren der Meinung, dass die Bedrohung der rheinischen Kulturlandschaft durch den überregionalen Entwicklungsplan "Rheinisches Revier" höchste Priorität geniessen muss.

 

Regionalplanung ohne Natur- und Umweltschutz

Eine landeseigene Gesellschaft habe dazu ein schlagkräftiges Lobby-Bündnis der Wirtschaft geschnürt, aus dem der Kultur-, Natur- und Umweltschutz nahezu vollständig ausgeschlossen worden sei. Versuche der Landesverbände, dieser drohenden einseitigen Entwicklung entgegenzutreten, versuchen die Lobbyisten mit allen Mitteln zu verhindern. Beispiel: ein neues Landes-Gesetz mit dem Ziel der Reduzierung der Verbändebeteiligung in der Landesplanung.

 

Keine Vorsorge, keine Nachhaltigkeit

Die zwingenden Zukunfts-Themen Vorsorge und Nachhaltigkeit zum Schutz unserer Region mit ihren wertvollen Kultur-, Natur-, und Umwelt-Gütern kommen in den Planungsunterlagen nicht vor. Unter anderem wird zur Zeit versucht, unter Umgehung von Natur- und Landschaftsschutz bis hinein in geschützte Landschaftsteile Flächen- und Siedlungsplanung mit Versiegelung riesiger Flächen - wie in den vergangenen 20 Jahren - durchzuboxen.

 

Nichts gelernt aus den letzten 20 Jahren?

Besonders negativ wurde eingeschätzt, dass die Risiken einer ungebremsten Flächen- und Siedlungspolitik gerade erst durch die jüngsten Naturkatastrophen auf dramatische Weise deutlich wurden. Erfahrungen aus Hochwasser-Ereignissen der letzten zwanzig Jahre werden schlicht ignoriert.

 

Antwort aus den Reihen des Lobby-Bündnis dazu? Keine!

Bereitschaft, die aktuell vorliegenden Planungsideen zu überprüfen? Keine.

 

Deshalb wurden für die kommenden entscheidenden Monate ein gemeinsames Vorgehen der Verbände beschlossen, um dieser Entwicklung entgegen zu treten:

  • Kern-Forderungen zum Thema nachhaltige Landschaftsentwicklung mit dem Ziel Erhaltung und Nachhaltigkeit,
  • die Zusammenarbeit der Natur- und Umweltverbände mit Bezug auf das Projekt "Rheinisches Revier" wird ausgebaut und überregional koordiniert,
  • Führung zum Thema Fehler der Flächen- und Siedlungsentwicklung am Beispiel neue Baugebiete in Überflutungsflächen und Auen,
  • die für diese Planungen verantwortlichen Parteien auf Bundes- und Landesebene werden öffentlich zur Stellungnahme aufgefordert,
  • die Antworten werden durch die Verbände öffentlich ausgewertet.

NABU MG: Kurt Sasserath

NABU Wegberg (Erkelenz,Hückelhoven): Gabriele Kaufhold

 


Leserbrief zu “Ein Kompass für die Zeit nach dem Tagebau” in RP 04.10.2021

Bewusste Täuschung
Schöne Bildchen, großes Gejubel, so wird die Bevölkerung – vielleicht bewusst - getäuscht.

Denn während Herr Heckers noch zusammen mit dem Büro "must" und den hohen
Tieren die zehn Empfehlungen zur Entwicklung des Rheinischen Reviers bejubelt, liegt als
dicke Hochglanzbroschüre “ Neuland” mit vielen 3D animierten Bildchen schon die nächste
Planungsstufe der Hambach GmbH in der Schublade. Beide Planungen haben eine
Gemeinsamkeit: die Natur kommt in ihnen nicht vor! Wir sollen uns von Seilbahnen auf die
Sophienhöhe und schwimmenden Wäldern einlullen lassen, damit wir übersehen, daß mit
keinem Wort Biotopvernetzung und Naturschutzzonen vorkommen. Der Tagebau hat alles
zerstört und da ist es höchste Pflicht in Zeiten des Klimawandels, bei den Neuplanungen der
Natur Priorität einzuräumen und einen großen Teil des Geldes auch hier zu investieren, das
jetzt schon quasi unter der Hand in alle Ecken verteilt wird. Ein Waldsaum mit Radweg
entlang der Kante ist lediglich der Tatsache geschuldet, daß man aus Sicherheitgründen
Siedlungs- und Gewerbegebiete nicht bis an den Rand bauen kann. Dies ist aber das einzige
“Grün”, das in den Planungen vorkommt. Wenn man dann noch hinzunimmt, daß der Chef
der Hambach GmbH, Herr Boris Linden, öffentlich die Parole ausgegeben hat, daß es
“erklärtes Ziel ist, bereits vor der Verabschiedung des neuen Regionalplans die Zusage der
Landesregierung zur Ausweisung neuer Gewerbegebiete zu erhalten”, dann wissen alle, wo
der Naturschutz bleibt: auf der Strecke! Denn, auch dies vergisst Herr Heckers im Infokasten
zum Regionalplan Köln zu erwähnen- der Regionalplan legt nicht nur verbindlich
Siedlungsräume, Gewerbegebiete und Verkehrsinfrastruktur fest, sondern auch gesetzlich
geschützte Biotope und Naturschutzgebiete. Hier sollen also Tatsachen geschaffen werden,
bevor etwas für den Klimawandel getan werden kann.

 

Gisela Stotzka